Content

Deutschkurse am SGZ

«Und wenn ich einmal etwas falsch sage, korrigieren mich die Bewohner.»

Sich im Arbeitsumfeld und im Privatleben richtig und differenziert ausdrücken zu können ist ein Gewinn für alle Beteiligten. Die Pflegezentren der Stadt Zürich (PZZ) unterstützen ihre Mitarbeitenden darin, ihre Sprachkompetenz zu entwickeln.

Heike Geschwindner, Klinische Pflegewissenschaftlerin in den Pflegezentren der Stadt Zürich

Im Eingangsbereich vor dem Klassenzimmer geht es lebhaft zu. Überall wird angeregt geredet, gestikuliert, und es wird viel gelacht. Die Anwesenden strahlen eine freudige Erwartung aus. Das erinnert an Schulkinder, die von ihren Erlebnissen erzählen. Nur die niedrigere Lautstärke und das fehlende Herumrennen sind anders. Kein Wunder, denn diese Schülerinnen und Schüler sind älter, und ihre Schulzeit liegt Jahre zurück. 13 Frauen und vier Männer aus verschiedenen Ländern haben sich für einen Deutschkurs angemeldet. Alle arbeiten bei den Pflegezentren der Stadt Zürich, entweder im Hausdienst, in der Küche oder der Hotellerie. Im Kurs lernen sie die deutschen Begriffe, die sie im Arbeitsalltag häufig brauchen. Mit diesen Wörtern werden Sätze gebildet und die Grammatik geübt. Heute stehen Nominativ und Akkusativ auf dem Stundenplan. Aber nicht als trockene theoretische Materie. Nein, es wird immer mit Beispielen aus dem Arbeitsumfeld geübt: der Besen, mein Besen, den Besen, einen Besen.

 

Der Wassereimer, die Mittagspause

Die Kursleiterin Jeannine Meierhofer wechselt im Unterricht zwischen spielerischen Gruppenelementen und Einzel- bzw. Kleinstgruppenarbeiten ab. Wie bei einem Lottospiel erhalten die Kursteilnehmer/-innen Karten mit Hauptwörtern. Sie müssen zusammengesetzte Hauptwörter bilden und den Artikel zuordnen. Schnell sind einige Wortkreationen gefunden: der Wassereimer, das Reinigungsmittel und die Mittagspause. Genauso motiviert gehen die Teilnehmenden die Einzelaufgaben an. Arbeitsblätter mit Fotos aus dem Berufsalltag werden verteilt. Zu den Fotos sollen Sätze gebildet werden. Jetzt ist es still im Raum. Der Eifer, mit dem die Aufgaben gelöst werden, zeigt sich in den Gesichtern, an geröteten Wangen. Stolz lesen alle ihre Sätze vor, während jemand anderes den Satz aufs Flipchart schreibt. Nicht nur, dass sie mit der Zeit besser verstehen und reden können, motiviert die Teilnehmenden, sondern dass sie das Gelernte gleich im Arbeitsalltag anwenden können: «Und wenn ich einmal etwas falsch sage, korrigieren mich die Bewohner. Das ist gut, denn dadurch habe ich schon vieles gelernt.»

«Jetzt schreibe ich manchmal in indirekter Rede»

Dass der Praxisbezug einen hohen Stellenwert im Unterricht hat, betont auch Marija Dautoski. Sie arbeitet in einer Pflegewohngruppe und besucht den Kurs «Sprachsicher und selbstsicher in Pflege und Betreuung!». Ihre Motivation, besser Deutsch zu lernen, beruht auf dem Wunsch, die Ausbildung Fachfrau Gesundheit zu machen. «Am ersten Kurstag fragte unsere Kursleiterin nach unseren Problemen mit der Sprache. Diese Themen werden jetzt nach und nach besprochen.» Die Hausaufgaben, die die Kursleiterin korrigiert und mit ihr bespricht, tragen auch zum persönlichen Lernerfolg bei. «Ich habe das Gefühl bereits besser Deutsch zu können. Es macht Spass, anders als gewohnt zu dokumentieren. Jetzt schreibe ich manchmal in indirekter Rede.»

 

Fester Bestandteil des Bildungskalenders

Diese Beispiele zeigen, weshalb die Pflegezentren ein grosses Interesse daran haben, dass sich ihre Mitarbeitenden differenziert und korrekt ausdrücken können. Gute Verständigung bedeutet, dass Mitarbeitende optimal auf die Bedürfnisse der Bewohnenden eingehen können. Sie bewirkt auch, dass dass sich Mitarbeitende im Team angenommen fühlen, dass Information und Austausch funktionieren.

René Zaugg, Leiter Personal und Unternehmensentwicklung erläutert: «In den PZZ arbeiten Menschen aus über 60 Nationen. Sie haben unterschiedliche Kenntnisse der deutschen Fachsprache, die in einem Pflegezentrum gesprochen wird. Uns ist wichtig, dass sich die Mitarbeitenden in ihrem Fachgebiet differenziert ausdrücken können und im beruflichen Alltag auch die Nuancen von Sätzen oder Ausdrücken verstehen. Mit Deutschkursen, die auf die spezifischen Bedürfnisse der verschiedenen Berufsgruppen abgestimmt sind, fördern wir die ihre Sprachkompetenz gezielt. Diese Investition lohnt sich für Mitarbeitende und Arbeitgeber. Die PZZ bieten ihren Mitarbeitenden die Kurse kostenlos an. Die Mitarbeitenden stellen ihre Zeit zur Verfügung. Das Angebot gibt es bereits seit mehreren Jahren und ist aus unserem Bildungskalender nicht mehr wegzudenken.»

Autorin:
Dr. Heike Geschwindner, Klinische Pflegewissenschaftlerin in den Pflegezentren der Stadt Zürich


Das Schulungszentrum SGZ bietet die Kurse für alle Mitarbeitende und Betriebe im Gesundheits- und Sozialbereich an: www.angebot.wissen-pflege-bildung.ch

Kompetent im Sprachgebrauch – die Kurse am SGZ:

«Sprachsicher und selbstsicher!» für Mitarbeitende Hauswirtschaft, Küche und Hotellerie

«Sprachsicher und selbstsicher in Pflege und Betreuung!» Schwerpunkte: Aktivitäten des täglichen Lebens und Dokumentation

«Sprachsicher und selbstsicher, zeigen Sie ihre Kompetenz!» für dipl. Pflegepersonal: Sich korrekt, differenziert und verständlich ausdrücken in Wort und Schrift

«Schwiizertüütsch verstoh!» Sprachkurs Schweizerdeutsch für Mitarbeitende: Verstehen, was Bewohner/-innen und Angehörige sagen

Die Kurse beginnen 5 mal pro Jahr und dauern jeweils 6 Wochen.

Dies könnte Sie auch noch interessieren: Erfahrungsbericht von Gabi Burkhalter, Deutschlehrerin am SGZ

Ihre Ansprechpersonen:

Kommentare: 0 | Autor: SGZ | Kategorien: Kategorie Sprache & Kompetenz

Kommentar schreiben